Ausstellung/Exhibition, Film

9 POSITIONEN – 4. Mai

Peter Angerer „Grenzgebiet“, Druckgrafik – Elementendruck, 1 von 4 Unikaten, 100cm x 70cm im Objektrahmen, 2017

Die KünstlerInnen nützen unterschiedliche Medien, um mit ihren Arbeiten Stellung zu “unserer” Kunst, Kultur und unserer Gesellschaft zu beziehen. 

Arbeiten von Brigitte Czermak (Bilder)Luise Kloos (Installationen), Erika Lässer-Rotter (Bilder), Monika Schönbacher-Frischenschlager (Installation “Der doppelte Boden”. Da gehts um die Verlogenheit in der Pharmaindustrie, in der Landwirtschaft, in der Kunst und, und, und…), Friederike Schwab (Mischtechnik/Collagen)Peter Angerer (Objekttafel für den Garten-Text: Grenzgebiet, Bild: Gehirnlogo; weiters eine Bildtafel als thematische Ergänzung) – die Arbeit im Grenzbereich von Bild und Text beschäftigt Angerer schon seit vielen Jahren. Werner Fenz hat diese Grenze in den LICHTUNGEN Nr. 138 eindrucksvoll hervorgehoben. Diese beiden wesentlichen Medien der Beschreibung von Welt werden in ein Spannungsverhältnis gebracht und stellen eine besondere Herausforderung für die Betrachter dar, Ewald Gynes (Installation/Objekt), Keyvan Paydar (Installation), Heinz Trenczak (Heinz Trenczak: erinnern sie sich? jochen gerz: 63 jahre danach (12 min.) / – kumberg | 23.10.2016 (10 min.) https://www.youtube.com/watch?v=H42r1FxIO4A&feature=youtu.be, “gorazde retour” (1998)

Bilder, Installationen, Filme der in der Steiermark, großteils in Graz lebenden KünstlerInnen sind bis 3. Mai im kunstGarten zu sehen.

Eröffnung durch SR a. D. Michael Ehmann & Kunsthistorikerin Elisabeth Saubach.

Brigitte Czermak
Geboren 1958 in Graz; Kunstgewerbeschule ebendort; Ausbildung in Gemälderestaurierung, Vergolden, Altmeistertechnik. Seit 1985 selbständige Restauratorin, Drehung zu vermehrt eigenem Schaffen: Seminare bei der Wiener Künstlerin Ona B., Kreativtrainerin (Ausbildung am Mal- u. Gestaltseminarinstitut), Mitglied der Galerie Centrum.

Zur Ausstellung „9 Positionen“ im kunstGarten:

In meiner Arbeit weise ich auf die “Allgemeine Erklärung der Menschenrechte” hin, die in der Resolution 217 A (III) der Vereinten Nationen vom 10. Dezember 1948 unter anderem folgende Artikel beinhaltet:
Artikel 14 (1) Jeder hat das Recht, in anderen Ländern vor Verfolgung Asyl zu suchen und zu genießen.
(2) Dieses Recht kann nicht in Anspruch genommen werden im Falle einer Strafverfolgung, die tatsächlich auf Grund von Handlungen erfolgt, die gegen die Ziele und Grundsätze der Vereinten Nationen verstoßen.

Brigitte Czermak JEDER HAT DAS RECHT AUF EINE STAATSZUGEHÖRIGKEIT, 2017

Artikel 15 (1) Jeder hat das Recht auf eine Staatsangehörigkeit.
(2) Niemanden darf seine Staatsangehörigkeit willkürlich entzogen noch das Recht versagt werden, seine Staatsangehörigkeit zu wechseln.

Artikel 26 (1) Jeder hat das Recht auf Bildung. Die Bildung ist unentgeltlich, zum mindestens der Grundschulunterricht und die grundlegende Bildung.

Artikel 27 (1) Jeder hat das Recht, am kulturellen Leben der Gemeinschaft frei teilzunehmen, sich an den Künsten zu erfreuen und am wissenschaftlichen Fortschritt und dessen Errungenschaften teilzuhaben.

Luise Kloos 

Arbeiten in Malerei, Zeichnung, Fotografie, Grafik, Installationen, Tanz- Performances, Ausstellungsgestaltung, Workshops, Kulturmanagement – die 1955 in Judenburg geborene Künstlerin Luise Kloos ist in vielen Bereichen tätig.
Nach einem abgeschlossenen Pädagogikstudium und Lehr-und Studienjahren an der TU Graz und an der Akademie der bildenden Künste in Wien gründete sie 1995 “next”- einen Verein für zeitgenössische Kunst, der immer wieder mit spannenden, internationalen Ausstellungen und Kunstprojekten auf sich aufmerksam macht.
Luise Kloos hat sich immer für andere Länder und Kulturen interessiert, das zeigt ein Blick auf ihre ausgedehnten Studienreisen, die sie auch in die USA und nach Indien und Burma führten.

Die Künstlerin entwickelt ihre Arbeiten häufig aufgrund der sich ihr bietenden Räume oder Situationen. Unter anderem realisierte sie 2003 im Yeshiva University Museum, NYC, eine Glasfaserinstallation, unter großer internationaler Resonanz. 2015 wurde sie nach Zagreb eingeladen, wo sie eine großräumige Installation zum Internationalen Holocaust Gedenktag im Maestrovic Pavillon schuf. Ihre Arbeiten kreisen um das Thema „Stille“.

Zahlreiche nationale und internationale Preise und Auszeichnungen. Ausstellungen u.a. in Österreich, BRD, USA, Indien, Finnland, Kroatien, Slowenien, Italien, Spanien, Dänemark, Großbritannien, Polen.

„start again“

Site specific Installation für kunstGarten “9 Positionen”, 8. April 2017

  • Cortenstahlobjekt mit Schriftzug gelasert „start again“, 180 x 20 cm
  • Stein, Transfergold, Äste, Fassadenfarbe, Dimension variabel

Neubeginn
der Natur
in alltäglichen Situationen
im demokratischen Zusammenleben
nach Niederlagen
nach einer Krankheit
bei Fehleinschätzungen oder einfach, um etwas zu erlernen.

Etwas einüben, neue Perspektiven gewinnen, die Wahrnehmung vertiefen – immer wieder „start again“ – mit einem ruhigen und aufmerksamen Bewusstsein.

Im kunstGarten entdeckte ich zwei Plätze, die mich zu „start again“ inspirierten. Es ist einerseits der Platz am Ufer des Ententeiches und andererseits eine Stufe/Nische auf den Hügel.

Ein flaches Objekt aus Cortenstahl mit dem Schriftzug „start again“ wird am Ufer des kleinen Ententeiches im Kunstgarten montiert. Es ist ein symbolischer Ort für „start again“, der Übertritt von der Wiese in das Element Wasser oder umgekehrt vom Wasser zurück in die Wiese.

Eine weitere Installation gibt es in einer kleinen befestigten Stufe/Nische/Sitz am Hügel im kunstGarten mit blau gefärbten Ästen und einem vergoldeten Stein. Der vergoldete Stein steht für die kreativen Potentiale und das Blau der Äste für die geistige Freiheit. „start again“!

Luise Kloos, Installation II, 2017

Erika Lässer-Rotter

1961 in Hohenems geboren 1980 Beginn ihrer künstlerischen Tätigkeit 1985 Besuch der Meisterklasse für Malerei an der Ortweinschule Graz Auslandsaufenthalte in Spanien und den USA Themen: Natur, Landschaft, Interieurs, Stillleben, Portraits. Lebt und arbeitet in Graz.

Titel der Bilder:

Fluß 2017 Öl/Leinen

Erika Lässer-Rotter, FLUSS 2017

Clownesse 1996 Öl/Leinen
Nachthimmel 2017 Öl/Leinen
Landschaft 2017 Öl/Leinen (Reserve)

Zum Inhalt: Ich male die Landschaft. Zur Landschaft gehört das Wasser. Ich begegne täglich einem großen Fluß, der fließt. Der Clown ist traurig und liest. Der Nachthimmel ist sternlos. Ich male die Landschaft.

Monika Schönbacher-Frischenschlager

Geboren in Graz. Ausbildung zur Pädagogin, Schwerpunkt Bildnerische Eriehung, Leitung einer Jugendgalerie und einer Jugend-Kunstklasse.

Wesentliche Impulse durch den steirischen Maler Friedrich Aduatz.

Zur Arbeit: Zyklen und Serien in verschiedenen künstlerischen Techniken.

Beständig kritische soziokulturelle und politische Auseinandersetzung mit Gesellschaft, ihrem Verhältnis zu Natur, Mitmensch, Umwelt …

Buchillustration, Installationen, Projekte und Performances in Zusammenarbeit mit AutorInnen. Seit 1977 zahlreiche Ausstellungen im In – und Ausland, mehrere Kunstpreise.

DIE WAHRHEIT LIEGT IN DER MITTE!(Aristoteles)
Liegt sie also zwischen Schwarz und Weiß? Ist sie grau?

DOPPELTER BODEN: WAHRHEIT ODER LÜGE, Monika Schönbacher-Frischenschlager 2017

Denken wir einfach positiv. Es gibt Anzeichen, dass die nächste Generation sich einsetzen wird, für mehr Engagement für unsere Lebenswelt. Heute dominiert noch Konzerndenken, die Gier, immer mehr in wenigen Händen anzuhäufen.

Eine unvollständige Bestandsaufnahme der aktuellen Desinformation durch verschiedene Medien, einschließlich Facebook, Lügen als Geschäft:

Glyphosat ist nicht krebserregend.
Die Landwirtschaft ist nicht schuld am Bienensterben.
IS und Linksextreme machen gemeinsame Sache.
Stefan Raab ist tot, Obama auch.
Jeder Deutsche kann jeden Monat tausend Euro umsonst bekommen.
Konzerne schaffen Arbeitplätze.
Online Singlebörse, echte Profile.
Der neue Audi ist einbruchsicher!
Milchschnitten sind gesund.
Dicke sterben früher!
Teure Hautcreme schützt vor Falten.
Fair trade?
Politiker sind Volksvertreter.
Die Presse ist unabhängig!
„Nur alleinstehende junge Männer!“
Kein Handshake für Merkel!

Friederike Schwab

wurde am 30.12.1941 als Tochter eines Oberkellners und einer Hausfrau geboren. Ihr Wunsch, Malerin zu werden wurde bereits in den Schuljahren bemerkt, da sie ständig zeichnete. In der Kunstgewerbeschule Graz fand sie in der Abteilung für Dekorative Malerei die Ausbildung, die sie sich wünschte. Prof. Wolf, Prof. Brunner und Prof. Felfer waren von 1954-1960 ihre Lehrer. Bereits während dieser Jahre begann sie zu schreiben, nahm dies aber nicht allzu ernst. Als sie die ersten Gedichtzyklen zu schreiben begann, fand sie in Jeannie Ebner, die für die Zeitschrift Literatur und Kritik arbeitete, eine bemühte Förderin und die ersten Publikationen, denen bald auch im Orf Steiermark viele Erzählungen folgten. Literatur und Malerei wurde praktisch nebeneinander zum Hauptinteresse der Künstlerin, die ihre Malerei in vielen Ausstellungen präsentierte. Dennoch dauerte es viele Jahre, ehe sie zu einer friedlichen Vermischung der beiden Medie fand. In Briefe an van Gogh gelang ihr erstmals eine Koexistenz, sie schrieb über über Malerei und malte danach eine große Serie von Dichterporträits.

Friederike Schwab: FERNE/NÄHE
NAHE/FERNE, 2017
Mischtechnik

Friederike Schwab untersucht in ihren Collagen 2017 der Serie JETZT Wanderrouten von Menschen, Schuhe und bloße Füße, Landkarten, die längst ungültig geworden sind, das Ferne als längst Vertrautes, die Nähe unbegreiflich und geradezu fremd.

Peter Angerer

Geboren 1956 in Altenmarkt, lebt seit 1979 als Künstler und Kunsterzieher in Frohnleiten; bis 2007 Lehrtätigkeit an der Pädag. Akademie in Graz Eggenberg – Bereich Grafik, Druckwerkstatt und Didaktik; seit 2007 Lehrtätigkeit and der KPH (Kirchl. Pädag. Hochschule) Graz im Bereich Grafik, Plastik und künstlerischer Projektarbeit; Ltg. der Galerie DABOGA (NMS Frohnleiten); Mitarbeit in EU Projekten zur ästhetischen Bildung/Hochschulentwicklung und Mitarbeit an Publikationen, Veröffentlichungen in Fachzeitschriften; Lehrendenmobilität: Litauen, Polen, Deutschland (Heidelberg, Weimar), Italien, Belgien; Gastlehrender der PH Heidelberg Als Künstler zahlreiche Einzelausstellungen und Beteiligungen seit 1976/Kataloge; Ankäufe privat und öffentlich (Neue Galerie Graz); Ausstellungstätigkeit seit 1976, zuletzt u.a. Kunsthaus Mürz, Künstlerhaus Wien – Personale, Minoriten Galerie Graz – Steirischer Herbst/Beteiligung, sowie Personale, Burg Rabenstein/Frohnleiten, Galerie Eugen Lendl (Beteiligungen), Fotogalerie Graz/Rathaus, PH Heidelberg (D), Civitella (I), Galerie Marenzi/Leibnitz (Kat.), Kunstteil der LICHTUNGEN 2014 Konzeptuelle Malerei/Installationen, Foto, Grafik/Druckgrafik, Bild-Text Arbeiten, Objektkunst; Arbeiten im Grenzbereich versch. Disziplinen – multi media.

Arbeit 1: Titel „Grenzgebiet“, Druckgrafik – Elementendruck, 1 von 4 Unikaten, 100cm x 70cm im Objektrahmen, 2017

Peter Angerer:
„Grenzgebiet“, Objekt – Tafel, Digitaldruck Bild und Text auf Aluminium, b 80cm x h 150cm, 2017.

Arbeit 2: Titel „Grenzgebiet“, Objekt – Tafel, Digitaldruck Bild und Text auf Aluminium, b 80cm x h 150cm, 2017

Assoziatives zu den Arbeiten

Beide Arbeiten wurden speziell für diese Ausstellung entwickelt. Kunst als exemplarische Sphäre der Grenzüberschreitung bleibt ein Stachel in einer Gesellschaft, die sich zunehmend hinter ihre selbst gesetzten Grenzen zurückzieht. Die Arbeiten sind mir eigentlich fast schon zu nah zur Tagespolitik, wiewohl davon auszugehen ist, dass die Thematik ohnehin darüber hinausgeht. Die Grafik zeigt eine hermetische, im Sinne von undurchdringlich grafisch formale Situation, die von Zahlen (willkürliche Zahlen) umgeben ist. Seit die aktuelle Debatte der Zuwanderung begonnen hat, spielen Zahlen eine unrühmliche Hauptrolle – nicht verwunderlich in einem politisch-wirtschaftlichen Klima, in dem nur noch das Zählbare zählt… Problematisch wird es dort wo Menschen schlicht und einfach nur mehr als Nummern verhandelt werden. Die zweite Arbeit hat selbstredend die gleiche Thematik im Fokus. Die Grenzen im Denken werden dabei in ein Objekt implementiert, das territorialen Anspruch formuliert. Wir wollen mit Liessmann (Lob der Grenze) nicht die Bedeutung von Grenzen außer Acht lassen, sie brauchen aber Übergänge, die ob des Verlustes von „Grenzkontrolle“ zunehmend verloren gehen. Trotzdem kann diese Thematik selbstverständlich kontrovers diskutiert werden…

Liessmann: „Es lohnt sich deshalb, einmal darüber nachzudenken, wie alles begann, wann, wo und warum erste Grenzen gezogen werden müssen, wann und unter welchen Bedingungen Grenzen aufgehoben oder überschritten werden können, wer durch Grenzen ausgeschlossen, aber unter Umständen auch geschützt werden kann, entlang welcher Bruchlinien im Denken und in der Wirklichkeit die Grenzen unserer Tage verlaufen, wo, im Kleinen wie im Großen, in einer Stadt und in Europa, in der Gegenwart und in der Zukunft Grenzen virulent sind und wann wir an äußerste Grenzen stoßen, die, weil unüberschreitbar, keine Grenzen mehr sind“. (K.P. Liessmann: Lob der Grenze, 2012)

Ewald Gynes

Kurzbiografie: Jhg.1958, lebt und arbeitet als freischaffender Künstler in Graz, Sehr frühe Beschäftigung mit Fotografie, Zeichnung und Malerei. HTBL Ortweinplatz, Architekturstudium und rege baukünstlerische Mitarbeit an mehreren Architekturprojekten im In – und Ausland. Malerei, Skulptur, Grafik, Objekt- und Raumkunst, Fotografie, aber auch Schulprojekte, Kursleitungen, Texte, Lyrik, Lesestrecken und Kunsttheorien sind aktuelle Arbeitsschwerpunkte. Zahlreiche Ausstellungen im Europäischen Raum, sowie Teilnahme an vielen internationalen Workshops und Symposien. Ankäufe, Aufträge und Arbeiten in öffentlichen, privaten sowie sakralen Bereichen. Natur, Menschenrechtsfragen und Kunstangelegenheiten sind und bleiben permanente persönliche Anliegen. Ewald Gynes

Werk1: Titel: „Kurti, da war’n ma schon“ Größe und Technik: Flachbildmonitor 22‘‘ (ausgedient und stromlos) 34 x 50 cm; Collage mit Linsenraster-Folie (Wackelbild-Effekt), realer Schuhsohlenabdruck Acryl; Wandbefestigung wie Bild Vorbemerkung: Im Lauf der Geschichte kippte das Verhältnis „Mensch und Natur“ von der Anbetung zur Ausbeutung. Wir könnten Erholung brauchen. Stattdessen stürzen wir uns ins schrille Geschehen eines grotesk übersteuerten Urlaub-Jahrmarkts. Mit Computerhilfe suchen wir uns bevorzugt herrliche, ja paradiesische Plätze für unseren Urlaub aus und Werbe-Prospekte versprechen uns oft den Himmel auf Erden. Die Reisebranche boomt, der Druck auf die letzten „Naturoasen“ nimmt zu. Zugleich ist der Tourismus aber wie kaum ein anderer Wirtschaftssektor auf eine intakte Natur und eine unbelastete Umwelt angewiesen. Reisen braucht Energie und wirft Schadstoffe in die Atmosphäre, d.h. der Reisende ist Verursacher aber zugleich auch Geschädigter. Allerdings sollten wir das Spiel als solches durchschauen und die Kulturpraxis des Reisens unbedingt neu positionieren. Vieles beginnt man erst zu begreifen, wenn es einem gelingt den Schein vom Sein zu unterscheiden. Klimaschutz muss ein Kernaspekt bei der Planung und Gestaltung neuer touristischer Produkte werden. Die Entscheidung über die Größe des Reisefußabdrucks liegt letztendlich bei den Verbrauchern. Das Werk: Die Bildinstallation mit dem Titel „Kurti, da war’n ma schon“ versucht uns mit der eher peinlichen, lächerlichen und auswuchernden Seite des „Urlaubfahrens“ zu konfrontieren und auf globale, ökologische und ökonomische Probleme hinzuweisen. Ein ausgedienter, stromloser 22 Zoll Bildschirm dient auch weiterhin als Bildträger (ganz im Sinne seiner Bestimmung) und zeigt auf eigentümliche Weise lenticulare Bilder, macht Hinweise sichtbar und betont scheinbar Unbedeutendes innerhalb der Grenzen zwischen Bild und Text, Konzept und Objekt, zwischen Offenheit und Geschlossenheit, Künstler und Kritiker. Wackelbilder und Flips, als Medien der visuellen Kommunikation, thematisieren schemenhaft und erzählen vielleicht sogar die eine oder andere Geschichte.

Ewald Gynes beim Aufbau: 10 Monologen im Dialog, 2017

Werk 2: Titel: 10 Monologen im Dialog Größe und Technik: Rauminstallation ca. 2 m x 1,4 m hängend (z.B. Baum); 10 Stk. Reliefköpfe aus Beton (a‘ ca. 25x25cm) auf vert. Alu-Profile montiert; (Anordnung frei gem. Situation u. lt. Künsterangabe) Vorbemerkung: Tag für Tag, ohne Pause und ohne Filter setzen wir uns sozialen Medien und dem Boulevard aus, bis das Gefühl, dass die Welt aus den Fugen gerät und der Wahnsinn die Oberhand gewinnt, uns lähmt und verzweifeln lässt. Wir erleben eine nervöse Zeit. Eine aggressive Hass- und Gesprächskultur macht sich breit. Überall nimmt die Zahl der Populisten zu. Die Gesellschaft ist gespalten! Wir stehen heute weltweit vor dem Problem, dass Menschen gegeneinander statt miteinander reden. „Dafür oder Dagegen“ scheint die Devise zu lauten. Standpunkt – Meinung – Ignoranz Die Bedeutung eines jeden einzelnen Wortes ist persönlich und individuell. Es gibt aber auch Zeiten in denen staatliche Organe sehr empfindlich reagieren, Kritiker werden als Nestbeschmutzer gesehen. Demokratie braucht aber Streit und kann sich Streit auch leisten. Das Mittel dazu ist das Wort und die Kunst der Kommunikation. Die Macht der Worte können den Frieden und das Verständnis unterstützen. Der Ausdruck Monolog bezeichnet auch eine Rede, die so formuliert ist, als sei sie nicht an einen Zuhörer oder Gesprächspartner gerichtet. Oftmals aber, wird damit nicht das alltägliche Selbstgespräch bezeichnet, sondern der bewusste Einsatz des alleinigen Redens. Ein Dialog ist eine, zwischen zwei oder mehreren Personen geführte Rede und Gegenrede (auch als „Zwiegespräch“ bezeichnet). Es geht im Dialog also nicht um Überzeugen, Rechthaben, Gewinnen, rhetorische Brillanz, Eindruck schinden oder Schnelligkeit, sondern um Partizipation, um Teilnehmen, sich beteiligen, miteinander denken. Im Dialog kommen Menschen zusammen, um gemeinsam zu denken, miteinander zu erkunden, zusammen nach Lösungen für Probleme zu suchen. Der Dialog ist ein zentrales Thema der abendländischen Philosophie. Zukunft braucht geistige Energie und diese wiederum braucht Herkunft. Humanismus, Aufklärung, Selbstbestimmung sind Bestandteil des Weltkulturerbes der Menschheit und einer offenen, dialogbereiten Gesellschaft. Einer Gesellschaft voller Neugier, Respekt, ohne Angst und Vorurteile.

Keyvan Paydar

Keyvan Paydar was born on 1984 in Teheran, lives and works in Graz since 2012

Ausbildung:

2013-2015 _ Meisterklase für Keramik an der Ortweinschule bei Irmgard Schaumberger.
2011-2013 _ Meisterklase für Bildhauerei an der Ortweinschule bei Markus Wilfling.
2007-2012 _ Vielseitige Mitarbeit im Kulturforum der Österreichischen Botschaft in Teheran, (z.B. Gestalten des jährlich erscheinenden Magazins „ÖKFenster“, Übersetzung, Artikel, Interviews u. Konzerte)
2010-2011 _ Privatunterricht und Deutschkurse für Erwachsene.
2005-2011 _ Buchhaltung, Grafik und Interior Design für verschiedenen Firmen z.B. „Techno Allis“ Teheran.
2003-2005 _ Freie Universität für „Anthologie der Kunst“, in Neyriz bei Schiraz.
1999-2003 _ Privatkurse in den Galerien: Honar, Moka’ab u. Tandiss.
1998-2002 _ Matura für Malerei in der Kunstschule Kamal-almolk Teheran.
1999-2000 _ Industrieller bzw. architektonischer Modellbauer bei der Firma „Houshangi“.
1997-1998 _ Betreuer für Zeichnen u. Malen im Behindertenheim „Nemune“ in Shahr-yar bei Teheran.

Keyvan Paydar lässt eine Kuh mit aufgeblasenem Bauch im Teich treiben.

DIE KUH, Keyvan Paydar 2017

Steht die Kuh für die Missachtung von Natur, der auch Wetterkapriolen folgen, denen solche Bilder folge, ist es eine Kuh, die zu Tode gemolken wird? Ist es der Überfluss, ist es die Not? Ist es die Nachlässigkeit oder schlichtweg Bösartigkeit?

Heinz Trenczak

geboren 1944 in Graz, Musikstudien in Salzburg & Köln; von 1971 bis 1984 TV-Redakteur in Köln (Westdeutscher Rundfunk / Musik); Filmemacher (Zuhören Aufhören), Fernsehregisseur (Theaterglühen), Drehbuchautor (Königin für einen Tag); Schauspieler (Kindergeschichte).
Pendelte gut 30 Jahre lang zwischen Graz und Köln (Ein Auto, ein Autor & Ears wide open).
In Wirklichkeit, behauptet er, könne er nur Autofahren und Briefschreiben. Lebt in Graz.

ERINNERN SIE SICH?

Film von Heinz Trenczak

Jochen Gerz:

NS-Mahntafeln „63 Jahre danach“

Von den zwölf Grazer NS-Mahntafeln, die der Künstler Jochen Gerz im Auftrag des Landes Steiermark im Jahr 2010 realisiert hatte, steht nur noch eine – vor der Burg, weil der Gehsteig an dieser Stelle Landes- und nicht Stadtgrund ist. Den Abbau aller anderen Tafeln hatte der Grazer Stadtrat Mario Eustacchio (FPÖ) verfügt. Wir haben den Abbau der vorletzten Tafel – ausgerechnet in Blickweite der Synagoge! – auf Video festgehalten, zur Erinnerung und gegen das Vergessen. “Erinnern Sie sich?” schrieben am selben Tag die Jungen Grünen Graz und die Sozialistische Jugend Steiermark auf ihre Protestposter. So heißt auch unser Film.

Österreich 2014 | F & s/w | 12 Minuten
Kamera | Regie | Produktion: Heinz Trenczak
Schnitt | Farbkorrektur | Mix: Christoph Schmid
Sprecher: Peter Matić
Musik: Vitaliy Patsyurkovskyy, Akkordeon
Vis-à-vis Film © 2014