Film

Ciné privé – open air oder ZimmerKino 100 JAHRE INGMAR BERGMAN

Open Air Ciné privé

Filmkunst.

Ernst Ingmar Bergman?/i [ˌiŋːmaɾ ˈbæɾːʝman] (* 14. Juli 1918 in Uppsala, Schweden; † 30. Juli 2007 auf Fårö, Schweden) war ein schwedischer Drehbuchautor, Film- und Theaterregisseur.
Ingmar Bergman wurde als mittleres von drei Kindern des lutherischen Pastors Erik Bergman und dessen Frau Karin, geb. Åkerblom, in Uppsala geboren und streng religiös erzogen. Bei Ungehorsam wurde er mit dem Rohrstock gezüchtigt oder mit Einsperren in der Garderobe bestraft. Diese Erlebnisse verarbeitete Bergman Jahre später in Filmen wie Die Hörige (1944), Die Stunde des Wolfs (1968) oder Von Angesicht zu Angesicht (1976). Schon in jungen Jahren kam Bergman mit dem Medium Film in Berührung: Sein Vater bediente sich während des Religionsunterrichts zur Veranschaulichung einer Laterna magica. Als er zehn Jahre alt war, bekam sein Bruder einen Kinematographen geschenkt. Bergman erwarb den Apparat im Tausch gegen einhundert Zinnsoldaten und kaufte von seinem Taschengeld Filme für das Gerät. Auch nahm ihn seine Großmutter regelmäßig ins Kino mit. Später entwickelte Bergman eine Begeisterung für die Stummfilmregisseure seiner Heimat, vor allem für Victor Sjöström. Mit etwa 16 Jahren begann Bergman sich intensiv mit dramatischer Literatur zu beschäftigen; besonders die Werke von August Strindberg hatten einen starken Einfluss auf ihn. Im Keller des Stockholmer Wohnhauses Storgatan Nr. 7 studierte Bergman seine ersten Stücke ein. 1938 begann Bergman ein Studium der Literaturgeschichte an der Stockholmer Universität, das er aber nicht beendete. Im selben Jahr wurde er Mitglied im Ensemble des Amateurtheaters im Mäster Olofsgården, 1940 schloss er sich dem Stockholmer Studententheater („Studentteatern“) an, in dem auch seine zukünftigen Hauptdarsteller Birger Malmsten und Erland Josephson mitwirkten. Er verfasste eigene Theaterstücke, von denen das erste 1942 öffentlich aufgeführt wurde, und begann eine unbezahlte Tätigkeit als Regieassistent an der Königlichen Oper. 1941 leitete er im Stockholmer Bürgerhaus neben einem Kindertheater das „Medborgarhuset“, wo er August Strindbergs Gespenstersonate inszenierte. Einer der Darsteller war Gunnar Björnstrand, der bis in die 1970er Jahre hinein zu seinen Stammschauspielern gehören sollte. 1943 inszenierte er mehrere Stücke am Stockholmer „Dramatikerstudion“, wo er erstmals mit Anders Ek arbeitete. Bergman war fünfmal verheiratet und hatte neun Kinder:Seine erste Frau von 1943 bis 1945 war Else Fisher. Sie bekamen die Tochter Lena (* 1943), diese hatte später eine kleine Rolle in Wilde Erdbeeren.
Von 1945 bis 1950 war Bergman mit Ellen Lundström verheiratet. Sie bekamen vier Kinder, Eva (* 1945), Jan (* 1946) und die Zwillinge Anna und Mats (* 1948).
In dritter Ehe war Bergman von 1951 bis 1952 mit Gun Grut verheiratet. Sie bekamen den Sohn Ingmar (* 1951).
Von 1959 bis 1965 war Bergmans Frau die Konzertpianistin Käbi Laretei (1922–2014). Mit ihr hat er den Sohn Daniel (* 1962), der ebenfalls als Regisseur tätig ist; ihm widmete Bergman seinen gleichnamigen Dokumentar-Kurzfilm (1967). Von 1965 bis 1969 lebte Bergman unverheiratet mit Liv Ullmann (* 1938) zusammen. Sie haben die Tochter Linn Ullmann (* 1966). Von 1971 bis zu ihrem Tod 1995 war Bergman mit seiner fünften Ehefrau Gräfin Ingrid von Rosen verheiratet. Ihre gemeinsame Tochter Maria wurde allerdings schon 1959 geboren. Ingmar Bergman starb am 30. Juli 2007 im Alter von 89 Jahren in seinem Haus auf der Ostseeinsel Fårö, wo er seit 1965 seinen Hauptwohn-sitz hatte. Dort fand auf dem Inselfriedhof auch seine Beisetzung statt.
Im Juli dieses Jahres wäre der schwedische Meisterregisseur Ingmar Bergman hundert geworden, eine Schau fächert sein facettenreiches Werk auf. Dessen Kernobsession: Die Suche nach der nackten, unverfälschten Wahrheit.
Im Gedenkjahr 2018 wartet auch die Filmgeschichte mit einem wuchtigen Jubiläum auf: Ingmar Bergman hätte heuer seinen Hundertsten gefeiert. Von Schweden aus nehmen weltumspannende Bergman-Festspiele ihren Lauf: Ausstellungen, Theatervorführungen, Buchveröffentlichun-gen, Diskussionsrunden und natürlich große Filmretrospektiven. Eine der ersten davon läuft bis 8. Februar im Österreichischen Filmmuseum. Und lädt ein zur (Wieder-)Entdeckung eines Œuvres, das viel spannender und vielfältiger ist als sein Ruf. Denn für viele ist Bergman nach wie vor ein Synonym für das, was man sich landläufig unter „Kunstkino“ vorstellt. Strenges Schwarz-Weiß, religiöse Symbolik, Menschen, die gequält an großen Fragen nagen. Drückend schwere Kost also. Schon Bergmans Name ragt wie ein Zentralmassiv, in dessen Schatten Depressionen blühen. Die überproportionale Bekanntheit spezifischer Werke – insbesondere „Wilde Erdbeeren“ und „Das siebente Siegel“ – hat zur Verfestigung dieser Vorstellung beigetragen. Ganz falsch ist sie nicht – aber viel, viel zu kurz gegriffen. Nicht einmal den Filmen, die sie nähren, wird sie wirklich gerecht. Bergmans Kino ist fraglos kein Zuckerschlecken. Manchmal fühlt man sich dort wie ein Verlorener in einem dunklen Wald. Doch der Ernst dieser Welt hat nichts Aufgesetztes. Er resultiert aus einem Scharfblick, der durch soziale Schleier schneidet wie ein heißes Messer durch Butter. Und aus einer ungeheuren Empathie für den Menschen in seiner Geworfenheit. Wesenheiten, die geschärft wurden von einem Leben voller kreativer Höhen und Tiefen, voller Ehen, Affären und gescheiterter Beziehungen, deren Echo durch viele seiner Arbeiten hallt. Bergmans Kino ist fraglos kein Zuckerschlecken. Manchmal fühlt man sich dort wie ein Verlorener in einem dunklen Wald. Doch der Ernst dieser Welt hat nichts Aufgesetztes. Er resultiert aus einem Scharfblick, der durch soziale Schleier schneidet wie ein heißes Messer durch Butter. Und aus einer ungeheuren Empathie für den Menschen in seiner Geworfenheit. Wesenheiten, die geschärft wurden von einem Leben voller kreativer Höhen und Tiefen, voller Ehen, Affären und gescheiterter Beziehungen, deren Echo durch viele seiner Arbeiten hallt.
Etwa durch das fünfstündige TV-Meisterwerk „Szenen einer Ehe“ (1974), einer enorm erfolgreichen Qualitätsserie avant la lettre (das Filmmuseum zeigt aufgrund eines Fokus aufs Kinoschaffen Bergmans nur die kürzere Leinwandfassung). Stück für Stück fallen darin die Zwiebelschichten einer Lebenslüge, kommen die Abgründe hinter der Partnerschaftsmaskerade zum Vorschein – im Zuge intimer Gesprächssituationen, die offenkundig auf peinlich genauer (Selbst-)Beobachtung fußen. Schilt man Bergman einen Nabelschauer, so muss man zumindest eingestehen, dass es keinen Klarsichtigeren gibt. Man spürt in seinen Filmen eine nahezu dämonische Besessenheit, den Tatsachen ins Gesicht zu sehen. Er sucht sie in den kalten Sonnenstrahlen, die einem Landpfarrer die Kunde von der Abwesenheit seines Schöpfers bringen („Licht im Winter“). Im blindwütigen Rausch eines Zirkusdirektors, der keinen Ausweg mehr sieht („Abend der Gaukler“). Vielleicht am intensivsten in den Antlitzen von Liv Ullmann und Bibi Andersson, die im kryptischen Kammerspiel „Persona“ verschmelzen – beim Versuch, zum innersten Kern des Ichs vorzudringen. Womöglich war diese Sehnsucht nach der nackten Wahrheit ein verquerer Grund für Bergmans Verehrung des Theater-Lügenzaubers. Schon in den späten 1930er-Jahren begann der Pastorensohn seine Karriere als Bühnenregisseur, inszenierte bis an sein Lebensende parallel zur Filmarbeit zahllose Stücke an berühmten Häusern in Schweden und anderswo. Die meisten Mitglieder seiner Ensemblefamilie – Erland Josephson, Ingrid Thulin, Max von Sydow – fand er unter den Soffitten. In seinem Opus Magnum „Fanny und Alexander“ (1982) setzte Bergman dem Theatermilieu ein Denkmal – und reiste zurück in die Träume seiner Kindheit. Die Wärme und Üppigkeit, die satten Farben dieser Großtat, sie gehören ebenso zu Bergmans Lichtspiel-Universum wie seine kargen Gespenstersonaten. Wie „Die Zeit mit Monika“, eine bittersüß strahlende Ode an junge Liebeslust, die Harriet Andersson zu einem Sexsymbol der Fünfziger machte. Wie „Das Lächeln einer Sommernacht“, eine flotte, frivole Komödie der Eitelkeiten. Oder wie seine brüchige Fernsehinszenierung von Mozarts „Zauberflöte“. Bergman, der einst als „Sklave“ in der Drehbuchabteilung der Svensk Filmindustrie hackelte, war auch ein famoser, nicht zuletzt an amerikanischen Vorbildern geschulter Dramaturg, Dialogschreiber und formaler Handwerker. Er wusste den Zuschauer gekonnt in seinen Bann zu schlagen – etwa über den gekonnten Einsatz von Stille.
Aber passt er überhaupt noch in unsere Zeit? Sein Kino ist über weite Strecken eines des grundlegenden Zweifels – und steht damit im Widerspruch zur Ideologie des bedingungslosen Fortschritts, der pragmatischen Selbst- und Gesellschaftsoptimierung. Es nimmt sich jener Themen an, die man heutzutage lieber außen vor lässt – oder gleich verdrängt. Auch Bergmans vielleicht größter Fan Woody Allen serviert sie nur noch mit Zuckerglasur. Insofern ist der strenge Schwede trotz seines Status als Götze des Kulturkanons ein Widerständiger. Seine Filme halten uns dazu an, furchtlos in den Spiegel zu blicken, ihre Reflexionen sind Säurebäder für die Seele. Und im Idealfall geht diese gestärkt daraus hervor.

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