Literatur, Performance

Lese-Performance: MARLENI

MAR-LENI, 1930

Thea Dorn hat den 5. Mai 1992, die Nacht in der die “Amihure” Marlene Dietrich in ihrem Pariser Appartment starb, für den Besuch der “Nazinutte” Leni Riefenstahl gewählt. Penibel recherchierte die Autorin, die nachts vielbeachtete Kriminalromane schreibt und tagsüber an der Berliner Humboldt Universität Philosophie lehrt, in Biografien und Interviews der Filmstars. Das Ergebnis: Intelligent zugespitzte Zeitgeschichte über Politik, Frauenrollen und Filmkunst: Ein Schlagabtausch der beiden deutschen Diven, der antifaschistische Engel und die braune Hexe prallen aufeinander. Die Fronten scheinen eigentlich geklärt, aber ihr nächtlicher Ringkampf wird zum Vexierspiel zwischen Hausfrau und Amazone, androgynem Vamp und asexuellem Naturkind, an dessen Ende ein deutsches Schwesternmärchen steht, die Liebe, und dahinter der Tod.

Es lesen: Irmi Horn & Wera Köhler

Marlene Dietrich und Leni Riefenstahl sind einander nur einmal begegnet und keine legte Wert auf mehr: Zwei Frauen, die sich in die brodelnde Moderne stürzten, in der die bisher dominierende Männlichkeit lädiert daniederlag und die Ehe an Reiz verloren hatte; die mit eisernem Durchsetzungswillen, Disziplin und Körpereinsatz ihre Karrieren machten. Karrieren, die nicht unterschiedlicher sein könnten: die eine in Amerika, die andere in Deutschland, die eine mit allem, was im Land der anderen als dekadent galt, die andere als Günstling Hitlers.