Film, Literatur

Kunst & Geschichte: RECHNITZ Literatur & Österreichischer Film

Still Christoph Kolar: RECHNITZ (der Würgeengel)

Literatur & Österreichischer Film: Irmi Horn liest in Erinnerung an die Befreiung des Konzentrationslagers Mauthausen  einen Einführungstext. Christoph Kolar zeigt seinen Film „Rechnitz (der Würgeengel)“ ein Film nach Elfriede Jelinek, 2014 (Text von Elfriede Jelinek, mit freundlicher Genehmigung vom Rowohlt Theaterverlag und Elfriede Jelinek)
In der Nacht vom 24. auf 25. März 1945 wurde auf den Schloss Rechnitz von SS Offizieren,Gestapo Mitarbeitern und führenden Nationalsozialisten ein so genanntes „Gefolgschaftsfest“
abgehalten. Es wurde getanzt und getrunken, auch die Gastgeberin Margit Batthyany, geborene
Thyssen-Bornemisza nahm daran teil.
Zu fortgeschrittener Stunde verteilte der NSDAP-Orts-gruppenleiter Podezin an „ausgewählte“
Gäste Waffen. Fast zweihundert arbeitsunfähige jüdische Zwangsarbeiter wurden in dieser Nacht von den Festgästen umgebracht. Die Opfer wurden bis heute nicht gefunden. Die Bevölkerung pflegt ein geschwätziges Verschweigen. Elfriede Jelinek hat zu diesem Verbrechen einen Text verfasst, der von Christoph Kolar gekürzt und montiert wurde. Ergänzt wird der Text mit Zwischenschnitten der Gedenkfeier die im März 2012 beim „Kreuzstadl“ in Rechnitz stattfand.

In der Umgebung von Rechnitz wurden in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs mit der Bahn etwa 600 Zwangsarbeiter, vor allem ungarische Juden, von Kőszeg nach Burg transportiert, um bei der Errichtung des so genannten Südostwalls Hitlers eingesetzt zu werden. Etwa 200 von ihnen, die erschöpfungs- und krankheitsbedingt nicht mehr arbeiten konnten, wurden jedoch bis nach Rechnitz zurücktransportiert.

In der Nacht vom 24. auf den 25. März 1945, den Palmsonntag, wurden 180 von ihnen von Teilnehmern eines von Margit von Batthyány, Tochter Heinrich Thyssens, abgehaltenen Schlossfestes erschossen. Das Massaker ereignete sich nur zehn Tage, bevor die Rote Armee Rechnitz erreichte. Die Toten mussten von einer Gruppe von Zwangsarbeitern vergraben werden, die am Folgetag erschossen wurden.

In der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Wien im Jahre 1947 hieß es:

„Die Opfer mussten zuerst – […] – ihre Überkleider ausziehen und sich an den Rand einer auf freiem Feld in der Nähe des Schlachthauses bereits ausgehobenen Grube setzen; […]; dann wurden sie erschossen, ein Teil von ihnen vielleicht auch erschlagen […]“
Hauptverantwortlich für das Massaker sollen der örtliche Gestapoführer Franz Podezin sein, der sich durch Flucht der Justiz entzog – er wurde zuletzt 1963 in Südafrika lebend gesehen –, sowie der Gutsverwalter Hans Joachim Oldenburg. Insgesamt sollen zehn Personen an der Ermordung beteiligt gewesen sein.

In der Nachkriegszeit wurde ein Verfahren eröffnet, das nur wenige Ergebnisse brachte. Während des Verfahrens wurden zwei Zeugen ermordet; diese Fälle konnten aber nie aufgeklärt werden. Deshalb ist nicht zu beweisen, ob die Morde im Zusammenhang mit dem Massaker standen oder andere Streitigkeiten vorlagen. Die Akten der Volksgerichtsverfahren „Rechnitz I“ (Vg 2f Vr 2832/45), „Rechnitz II“ (Vg 11d Vr 190/48) und „Rechnitz III“ (Vg 8e Vr 70/54) werden heute im Wiener Stadt- und Landesarchiv aufbewahrt.

(Auszüge aus Tom Appleton TOTGESCHWIEGEN)

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